„Diskriminierung der Stuten“ oder „Optionen kosten Geld“

Gleich mein erster Beitrag widmet sich einem Artikel von Jürgen Gassner auf Traber-News.com. Das mag etwas unkreativ erscheinen, sich direkt an einer anderen Traber-Seite abzuarbeiten – aber dieses Thema brennt mir unter den Nägeln und es kann einfach nicht unkommentiert bleiben.

Eins vorab: Ich schätze Herrn Gassner als absoluten Zuchtexperten und habe Respekt vor der Arbeit, die er in sein Web-Projekt steckt. Dort finden sich insbesondere in züchterischer Sicht Veröffentlichungen und Kommentierungen, die es so zuvor im traberdeutschen Internet nicht zu finden gab.

In seinem Beitrag „Die Herabsetzung der Stuten muss ein Ende haben!“ vom 31.07.2014 macht er es sich jedoch zu einfach. Dort heißt es unter anderem:

Obwohl ein Stutenbesitzer denselben Einsatz zahlen muss wie ein Besitzer, der einen Hengst oder Wallach nennt, beträgt die Dotation der Zirkelrennen für Stuten lediglich die Hälfte. Das muss aufhören! Die Zirkelrennen für Stuten müssen den gleichen Rennpreis aufweisen wie die Rennen für Hengste und Wallache.

Zum einen ist dies nicht ganz korrekt, schließlich bemisst sich der bei Starterangabe fällige Einsatz am Rennpreis, d.h. hier zahlt der Besitzer einer im Stutenrennen startenden Stute nur die Hälfte des Einsatzes zum korrespondieren Hauptrennen. [Anmerkung an dieser Stelle: 2013 waren diese Stutenrennen noch einsatzfrei zur Starterangabe!]

Komplett außen vor bleibt hier jedoch die Tatsache, dass die Stute selbstverständlich auch im Hauptrennen starten dürfte! Für den – natürlich – gleichen Einsatz, wie die Hengste und Wallache. Im Gegensatz zu den Hengsten hat sie jedoch die Option, im Stutenrennen zu starten und den potenziell stärkeren Hengsten und Wallachen aus dem Weg zu gehen. Und dabei gilt zu bedenken: in einem halb so hoch dotierten Rennen reicht eine im Vergleich um eine Position bessere Platzierung im Vergleich zum Hauptrennen, um den gleichen Rennpreis zu erzielen (Zweiter im Hauptrennen = Sieger im Stutenrennen). Um es mit dem Vergleich Expo Express/Stacelita im Dreijährigen-Zirkel 2014 zu verdeutlichen: Stacelita war zweimal von Expo Express im Zirkel geschlagen und hat als Zweite jeweils 6.250 Euro verdient – genau den gleichen Betrag, den jeweils die Stuten-Siegerin Star Potential verdient hat!

Doch wenden wir uns der Option zu. In der Wirtschaftslehre sind Optionen hinlänglich bekannt. Will ich eine Option haben, also eine Entscheidungsmöglichkeit in der Zukunft, ist stets ein Aufschlag, eine Prämie fällig. Entsprechend zahle ich für meine Stute den gleichen Derby-Einsatz wie der Besitzer eines Hengstes – doch bei Starterangabe kann ich entscheiden, ob ich die letzten 1.400 Euro Einsatz entrichte und im Hauptrennen starte oder auf das Stuten-Derby (kein Startgeld!) ausweiche. Diese Option habe ich implizit in den ersten, gleich hohen Einsätzen bezahlt, die gegenüber dem Rennpreis in der Stutenvariante vergleichsweise hoch sind (Rennpreis 10.000 Euro ggü. 20.000 Euro im Vorlauf, halbe Grund-Dotation im Hauptlauf, 30:70-Verteilung der überhängigen Einsätze).

Ob nun die Verhältnisse angemessen sind, lasse ich nun dahingestellt – aber die Funktionsweise ist fair.

Gassners Antritt könnte/sollte nun freilich sein, dass die Stuten und Hengste/Wallache getrennt starten sollen, gleichsam die „Option“ entfallen soll. Ein – gerade für mich als Stutenbesitzer – durchaus unterstützenswerter Vorschlag. Doch endet damit die „Herabsetzung der Stuten“? Nein. Es folgt das Ende der Subventionen für die Hengste und Wallache! Denn wie bei den meisten Versuchen der Gleichbehandlung führt es nicht dazu, dass die Stuten genau so viel bekommen wie die Hengste und Wallache – sondern dass letztgenannte schlichtweg weniger bekommen. Denn zahlen die Stutenbesitzer in den eigenen Topf ein, fehlen diese Einsätze dem anderen Geschlecht. Damit sinkt deren Rennpreis – statt 12.500 Euro für Stuten und 25.000 Euro für alle (!) im Hauptrennen gibt es dann also 18.750 Euro im Stutenrennen wie im Rennen für Hengste/Wallache.

Bei seiner Vergleichstabelle zieht Gassner schließlich noch Stacelita zu den Hengsten, was aufgrund des Starts im Hauptrennen zwar nicht verkehrt ist, aber das Ergebnis verzerrt. Und unkommentiert wird ein Elton Attack mit seiner Gewinnsumme von über 60.000 Euro gelistet – die er in einem schwedischen Zweijährigen-Rennen für alle Geschlechter gewonnen hat…

Um es zusammenzufassen: Stuten werden nicht diskriminiert, sie zahlen lediglich für die gewährte Option. Eine Geschlechtertrennung führt nur zu einer Anpassung auf einen Mittelwert – ist das wirklich gewollt? Wie bereits geschrieben – als Stutenbesitzer finde ich diesen Antritt natürlich gut, aber haben wir wirklich (noch) das Pferdepotenzial, um dieses System durchzuhalten? Ich werde mich nochmal separat dem völlig misslungenen, weil von den Aktiven nicht angenommenen Zirkel-Programm 2014 widmen. Aber dass für 50% höhere Rennpreise nun plötzlich Stutenrennen en masse zustande kommen, nachdem diese in 2014 reihenweise ausgefallen sind, übersteigt meine Phantasie.

Und was passiert dann eigentlich? Heute kann meine Stute im Hauptrennen starten, wenn kein Stutenlauf zustande kommt – was insbesondere im Zwei- und Vierjährigen-Zirkel 2014 der Standardfall in den Trials war. Sehen wir dann demnächst ein Stutenrennen (Trial) mit drei Startern und ein Trial für Hengste und Wallache mit vier Startern um jeweils 5.000 Euro? Verlockende Perspektive…

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