Dreijährigen-Zirkel – die Abrechnung

Eine Analyse des Dreijährigen-Zirkels in sportlicher und ökonomischer Hinsicht

Am 19.10.2014 geht er mit dem St. Leger zu Ende – der Dreijährigen-Zirkel 2014. Ein Grund für mich, diese Rennserie aus sportlicher und ökonomischer Perspektive zu analysieren:

Finanzielle Rahmenbedingungen:

196 Dreijährige wurden für den Zirkel 2014 genannt. 16 Pferde wurden umgehend wieder gestrichen und hatten somit nur die Startgerechtigung in den Trials B „erworben“. In der Adbell-Toddington-Serie wurde dann für 115 Pferde die Nennung aufrechterhalten, zur Buddenbrock-Serie immerhin 152, zum Bayern-Pokal 144 und zum St. Leger ganze 156. Das summierte sich auf Einsätze von 168.450 Euro. Weitere rund 21.000 Euro Startgelder für Trials und Hauptläufe kamen hinzu, so dass der Zirkel insgesamt mit 189.265 Euro durch Besitzer finanziert wurde. Gegenüber 282.000 Euro gem. Ausschreibungsheft versprochener Gesamtdotation ein sicher guter Deal – doch leider kamen aufgrund zahlreicher ausgefallener Rennen nur 248.050 Euro zur Ausschüttung!

Die Rennausfälle im einzelnen:

Adbell-Toddington-Serie: Alle Trials, aber nur einer von vier möglichen Trial-Stutenläufen kam zur Austragung, dazu kein Entlastungsrennen zum Hauptlauf – Ausfall von 3 Rennen im Wert von 9.000 Euro.

Buddenbrock-Serie: Alle Trials fanden statt, zwei Trial-Stutenläufe fielen allerdings aus – Ausfall von 2 Rennen im Wert von 5.500 Euro.

Bayern-Pokal-Serie: Alle Trials fanden statt, allerdings kam kein (!) Trial-Stutenlauf zustande, ebenso keine Entlastung zum Hauptlauf – Ausfall von 4 Rennen im Wert von 11.000 Euro.

St. Leger-Serie: Trial 1B entfiel komplett – auch aufgrund einer Terminänderung (von 22.09. auf den 15.09. vorverlegt, mangels Renntag in MG am 22.09.). Kein Stutenlauf kam zustande – Ausfall von 5 Rennen im Wert von 15.000 Euro.

Über 40.000 Euro sind den Besitzern so entgangen – oder besser, sie wurden liegengelassen. „Glück“ für den HVT, denn so bleibt das Minus der Serie bei rund 60.000 Euro. Ausgeglichen werden muss dieses Defizit durch den Zuchtfonds, der schon durch den Zweijährigen-Zirkel (minus 10.585 Euro) und den Vierjährigen-Zirkel (minus 36.415 Euro gem. traber-news.com) beansprucht wird.

 

Sportliche Betrachtung:

Adbell Toddington-Serie

Trial 1B (13.04.2014 in Karlshorst): Von wegen „B“-Trial. Ausgeschrieben bis 500 Euro lockte das Rennen zwar nur sechs Starter, darunter aber die folgenden späteren Derby-Finalisten, in Klammern die Platzierung im Trial: Ganystar (dis.r.), Nico Way (1.) und Love Victory (5.), sowie den Derby-Starter und Trostlauf-Platzierten Latino Glass (2.).

Trial 1A (18.04.2014 in Mariendorf): Mit SJs Sunday gewann hier ebenfalls ein späterer Derby-Finalist – die übrigen sechs Starter gehörten nachher nicht mehr zur Spitze des Jahrgangs, lediglich Emerald Bay verdient hier noch Erwähnung (3.). Im direkten Vergleich schlägt Trial 1B deutlich Trial 1A. Bemerkenswert!

Trial 2B (27.04.2014 in Mariendorf): Den Hauptlauf gewann Brasco in 15,4 – Derby-Finalist Nico Way endete dis.r.
Stutenlauf: Debütantin Sarently As siegte in 16,9 – die Stute platzierte sich auch im Saisonverlauf noch in weiteren Trials.

Trial 2A (04.05.2014 in Mariendorf): Derbyfinalist Ganystar gewinnt in 14,8! Dahinter Nico Way und mit SJs Sunday ein weiterer Derbyfinalist. Auch dabei: Stutenderby-Finalistin Aint she sweet (4.)

Hauptlauf (18.05.2014 in Mariendorf): Expo Express schlägt Stacelita in 15,2 – dahinter noch u.a. SJs Sunday (4.), Indover (5.) und Nico Way (dis.r.)  sowie Blue Diamond As (dis.r.) – nicht weniger als sechs (!) Derbyfinalisten unter den 12 Startern.
Stutenlauf: In diesem Rennen ging der (schnell wieder verglühte) „Stern“ von Star Potential auf, die in 17,3 gewann, bei vier Disqualifizierten aber auch nicht mehr viel zu schlagen hatte.

 

Buddenbrock-Serie

Trial 1B (01.06.2014 in Karlshorst): Der spätere Derby-Finalist Love Victory setzt sich in 18,8 gegen u.a. nach Sarently As (4.) durch.
Stutenlauf: Die spätere Vorlauf-Siegerin und Final-Zweite im Stuten-Derby, Emma di Quattro, gewinnt in 18,7 ihren zweiten Lebensstart. Die Platzierten reißen nachher auf Jahrgangsebene keine Bäume aus.

Trial 1A (10.06.2014 in Pfarrkirchen): Harry Bo gewinnt – das Rennen ist insgesamt schwach besetzt, kein Pferd kann sich nachher auf Jahrgangsebene noch ins Gespräch bringen. Ausnahme ist Sono IO, der im Bayern-Pokal noch Zweiter wird und hier dis.r. endet.

Trial 2B (15.06.2014 in Mönchengladbach): Kein Stutenlauf, also gewinnt Sunshine Lane einfach den „Hauptlauf“ – nachher wird die Sunset Lane-Tochter noch einen Vorlauf zum Stuten-Derby gewinnen. Die übrigen 9 Starter gehören nicht zur (erweiterten) Jahrgangsspitze – Ausnahme Hanaka (dis.r.), die das Finale zum Stuten-Derby erreicht.

Trial 2A (22.06.2014 in Mariendorf): Ganystar gewinnt in 16,5 gegen Latino Glass – mit Love Victory (5.) platziert sich ein weiterer Derby-Finalist, Nico Way fast wie gewohnt dis.r.
Stutenlauf: Imi Para Mi schlägt Aint she sweet. Sicher nicht das am schlechtesten besetzte Rennen des Zirkels.

Hauptlauf (06.07.2014 in Mariendorf): Expo Express vor Stacelita, diesmal in 14,3 – dahinter mit Ganystar und Indover als Drittem und Viertem weitere Derby-Finalisten, Elton Attack endet dis.r., der Sieger im Derby-Finale B, Way Scott, wird Sechster.
Stutenlauf: Noch einmal Star Potential, diesmal schlägt sie mit Imi Para Mi, Sunshine Lane, Aint she sweet und Pocahontas Diamant (Siegerin Stuten-Derby Finale B) allerdings einige gute Stuten.
Entlastung: Harry Bo gewinnt gegen SJs Sunday, mit Elliot Rich ist ein weiterer Derby-Finalist unter den Platzierten (5.).

 

Bayern-Pokal-Serie

Trial 1A (17.08.2014 in Mariendorf): SJs Junior C gewinnt den ersten A-Trial – mit Love Victory (3.) ist ein Derby-Finalist dabei.

Trial 1B (22.08.2014 in Karlshorst): Moonchild schlägt Gentille – zwei überdurchschnittlich gut (gezogene) Stuten, der Rest der Starter eher unbekannt – was bei der Klasse bis 1.000 Euro kaum überraschen konnte.

Trial 2B (24.08.2014 in Mariendorf/Karlshorst): Rosenstolz gewinnt gegen Sarently As und Grace, ebenfalls drei sicher überdurchschnittliche Pferde, auch in der Klasse bis 3.500 Euro ist der Rest eher nicht Premium-Kategorie. Ärgerlich: Die zwei B-Trials kannibalisieren sich aufgrund der Terminlage gegenseitig!

Trial 2A (31.08.2014 in Mönchengladbach): SJs Junior C gewinnt auch den zweiten A-Trial – mit Love Victory (dis.r.) ist wieder ein Derby-Finalist dabei, darüber hinaus Sunshine Lane (3.) und Aint she sweet (dis.r.). Und wieder kein Stutenlauf!

Hauptlauf (21.09.2014 in München): Ganystar gewinnt in starken 13,1 – dem Tempolauf kann kein Konkurrent etwas entgegensetzen. Sono IO wird Zweiter, Ewald F Boko bleibt als Fünfter blass, Indover erstmals dis.r. – und Nico Way bleibt fern, ebenso wie der doppelte Trial-Sieger SJs Junior C.
Stutenlauf: Stacelita geht den Hengsten aus dem Weg und gewinnt nach der Streichung von Stutenderby-Siegerin Pippa Barosso ungefährdet gegen Imi Para Mi.

 

St. Leger-Serie

Trial 1B (15.09.2014 in Mönchengladbach). AUSGEFALLEN. Kurios: Kommentarlos vom 22.09. auf den 15.09. verlegt – denn am 22. veranstaltete Dinslaken, nicht Gladbach. Dazu gem. Ausschreibungsheft über 2.600 Meter zu laufen, für den Renntag ausgeschrieben über 2.100 Meter!

Trial 1A (28.09.2014 in Mariendorf/Karlshorst): Grace schlägt Sarently As in 18,0 – zwei bereits auf Zirkel-Ebene platzierte Stuten vorn, Stutenlauf also mal wieder ausgefallen. Auch hier bemerkenswert: Laut Ausschreibungsheft über 2.500 Meter zu laufen, tatsächlich über 2.000 Meter ausgetragen. Grund nicht erkennbar.

Trial 2A (05.10.2014 in Mariendorf/Karlshorst): Rosenstolz schlägt Aint she sweet, diesmal wirklich über 2.500 Meter in 19,2. Stutenlauf – natürlich – ausgefallen…

Trial 2B (09.10.2014 in Karlshorst): Gentille kommt auch noch zum vollen Erfolg, gewinnt in „lockeren“ 20,1 / 2.500 Meter. Zweite wird mit Laufey wieder eine Stute, natürlich wieder kein Stutenlauf.

Zwischenfazit zur St. Leger-Serie: Stuten an die Macht! Kein einziges Stutenrennen kam zu Stande, schon gehen alle Rennen an das „schwache“ Geschlecht. Diskriminierung der Stuten sieht anders aus.

Hauptlauf (19.10.2014 in Mönchengladbach): Im Hauptlauf fehlen neben Ganystar zwar die Großen der Saison, mit Pippa Barosso gibt sich aber die Stutenderby-Siegerin die Ehre. Im Stutenlauf sind (außer Stacelita und der genannten Pippa Barosso) die Top-Stuten dabei, mit Emma di Quattro und Imi Para Mi die Zweite und Dritte des Stutenderbys, dazu die Finalistinnen Aint she sweet, Star Potential, Hanaka und Sunshine Lane sowie B-Final-Siegerin Pocahontas Diamant – nicht zu vergessen „Shootingstar“ Rosenstolz und Eva Kievitshof. Zum Finale des Dreijährigen-Zirkels nochmal ein richtig stark besetztes Rennen.
Fazit & Ausblick

Finanziell für den HVT eine teure Angelegenheit (für die Besitzer natürlich durchaus attraktiv), sportlich meist ansprechend – insgesamt kann man dem Dreijährigen-Zirkel 2014 ein (leicht über-)durchschnittliches Zeugnis ausstellen. Nicht vergessen darf man die zahlreichen ausgefallenen Rennen – das ist bitter für die Besitzer der 2011er Pferde, hier sind rund 40.950 Euro liegen geblieben (die stattgefundene Buddenbrock-Entlastung ist berücksichtig). Das mag an der Ausschreibung liegen, taugt aber nicht als Ausrede. Auch die Aktiven sind gefordert, die gebotenen Möglichkeiten auch zu nutzen. Andernfalls wirkt das Klagen über mangelnde Startmöglichkeiten vorgeschoben. Hier ist ein Aufeinanderzugehen gefragt – das Rennprogramm muss den Anforderungen der Aktiven entsprechen, umgekehrt die Aktiven sich entsprechend einbringen. Beim „Runden Tisch“ des HVT im Oktober 2014 wurde ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Bemerkenswert bleibt die – nachvollziehbare – „Zweiteilung“ des Zirkels. Zum Derby hin tummeln sich sowohl in den Trials als auch den Hauptläufen die besten Pferde des Jahrgangs, das belegt die hohe Zahl an späteren Final-Startern in diesen Rennen. Nach dem Derby fallen diese Pferde aus den Trials, haben sie doch meist zu viel Geld aufgenommen. Hier kommt nun die Chance für Pferde auf dem „zweiten Bildungsweg“. Dass dies im Jahr 2014 ausgerechnet die Stuten waren, ist eine besondere Erkenntnis. Dass diese Rennen so schlecht angenommen werden, ist allerdings bedauerlich. Regelmäßig fielen Rennen aus oder wurden – wenn überhaupt – dann mit sechs Pferden gestartet. Das hat mit „Zuchtrennprogramm“ nun wahrhaftig nichts mehr zu tun.

Aufgrund der großen Zahl der ausgefallenen Stutenrennen und Trials B mit wenigen Startern darf man diesen Versuch als gescheitert ansehen. Die Rennen sind offensichtlich zu unattraktiv gestaltet gewesen (z.B. Stutenrennen mit Dotation unterhalb der Alltagsrennen in Gelsenkirchen, Mariendorf und Hamburg) und wohl auch später im Jahr zu restriktiv ausgeschrieben:

  • Bayern-Pokal, Trial 1B: bis 1.000 Euro
  • Bayern-Pokal, Trial 2B: bis 3.500 Euro
  • St. Leger, Trial 1B: bis 500 Euro ==> ausgefallen
  • St. Leger, Trial 2B: bis 2.000 Euro

Meine persönliche Meinung: Die Trials sollten von den Hauptrennen gelöst werden und bundesweit verteilte Dreijährigen-Rennen mit einer Dotation von 5.000 Euro (weniger Einzeldotation, mehr Rennen) ausgeschrieben werden, mit sinnvoll gewählten Gewinnsummen-Beschränkungen. Dazu Stutenläufe nicht als Ventillösung in Abhängigkeit von der Starterangabe zum Hauptlauf, sondern als eigenständige Rennen (wie früher im Fünf- und Sechsjährigen-Zirkel). Dazu bleiben die Hauptrennen entweder als Zirkel-Highlights enthalten (gemeinsame Nennung) oder werden wie früher von den Rennvereinen allein ausgeschrieben. Es ist wohl ein Rechenexempel, ob hier das Gesamtpaket oder die Summe der Einzelrennen mehr Einsätze generieren.