Zweijährigen-Zirkel – die Abrechnung

Sportlich und finanziell ist der Zirkel für die Youngsters 2014 keine Erfolgsgeschichte

Kurz vor dem Finale des Zweijährigen-Zirkels, der ja ohnehin nur aus zwei Rennserien besteht und der nun mit dem Preis des Winterfavoriten am Samstag in Hamburg sein Ende findet, habe ich die finanziellen Rahmendaten der Serie zusammengefasst. Mit erschreckenden Erkenntnissen.

Die Basisfakten vorab: 85.065 Euro haben die Besitzer der 2012 geborenen Pferde im Laufe des Jahres an Einsätzen (Nennung und Startgeld) in die Zirkelrennen investiert. Dem gegenüber stehen 95.650 Euro ausgezahlte Rennpreise – also immerhin ein „Plus“ von rund 10.000 Euro für die Besitzer. Die Differenz zu tragen hat der HVT, die 15% 10% Züchterprämie auf die Rennpreise die beteiligten Rennvereine, weitere 5% zusätzliche Züchterprämie der HVT-Zuchtfonds.

Das wäre allein nicht wirklich bemerkenswert, erschreckend ist vielmehr der nicht ausgezahlte Rennpreis: 21.350 Euro ausgeschriebene Dotation wurden nicht ausgeschüttet, weil die Rennen mangels Beteiligung ausgefallen sind! Aus dem Desinteresse der Ställe oder der unangemessenen Konzeption – diese Frage kann man diskutieren, im Ergebnis bleibt es ein Verlust für den gesamten Sport.

Die ausgefallenen Rennen des Zweijährigen-Zirkels:

Jugend-Preis – Trial 1: Hauptlauf und Stutenlauf

Jugend-Preis – Trial 2: Stutenlauf

Preis des Winterfavoriten – Trial 1: Stutenlauf

Preis des Winterfavoriten – Trial 2: Stutenlauf

Alle Trials hatten zudem nur sechs (!) Starter. Das führte zum einen zu skurrilen Ergebnissen wie in 26,0 verdienten Geldpreisen (denn Trab gehen reichte zur Platzierung), zum anderen zu weiteren „Verlusten“, da im Trial 2 zum Jugend-Preis nur vier Pferde in die Platzierung kamen und das fünfte Geld nicht ausbezahlt wurde.

Fast schon positiv zu bemerken gilt, dass nunmehr im Oktober zum Hauptlauf des Winterfavoriten nicht nur gut besetzte Hauptläufe (11 Pferde im Hauptlauf, 9 im Stutenlauf), sondern sogar ein weiteres mit 7.000 Euro dotiertes Entlastungsrennen zu Stande kam.

Wenn ich an die Veröffentlichung der Ausschreibung für die gehobenen Rennen 2014 zurückdenke, kann ich mich gut an meine (als Besitzer einer Zweijährigen verständliche) positive Aufregung beim Durchlesen des Zweijährigen-Zirkels erinnern. Erstmals wurden obligatorische Stutenläufe in den Trials vorgesehen, auf den ersten Blick erschien der Zirkel äußerst attraktiv. Bei der Detailbetrachtung fällt der hohe Einsatz (600 Euro für beide Serien plus Startgelder) auf – und die Notwendigkeit, für die Trials nach Berlin zu reisen. Dieser Umstand war dem Ausstieg der RSM-Bahnen aus dem gehobenen Zirkel-Programm geschuldet und niemandem anzulasten – aber es mich im speziellen Fall schließlich dazu bewogen, unsere (inzwischen immerhin qualifizierte) Zweijährige nicht für den Zirkel zu nennen.

Es bleibt die Hoffnung, dass der HVT im Besonderen und die gesamte deutsche Traber-Szene im Allgemeinen ein besseres Händchen bei der Konzeption der gehobenen Rennen für den jüngsten Jahrgang im kommenden Jahr hat. Denn wie schon in einem vorherigen Beitrag erwähnt, war die Renngestaltung (der Rennvereine) und -durchführung (der Ställe) schlicht unterirdisch. Rennen fielen (und fallen, wie am 06.10.2014 in Dinslaken) der Reihe nach aus und machen eine gezielte Heranführung des Nachwuchses an den Rennsport unmöglich.

Sportliche Betrachtung

Angesichts der Zahl der Rennen und der Zahl der gestarteten Pferde ist eine sportliche Analyse fast lächerlich. Dennoch möchte ich einige Highlights herausstellen: April Love, Zuchtergebnis erster amerikanischer (Muscles Yankee) und deutscher (Aprilliebe) Güte war das dominierende Pferd der Trials. Im einzigen Jugend-Preis Trial wurde sie Dritte, die zwei Trials zum Winterfavoriten gewann die Stute aus dem Stall Oikarinen mit viel Autorität – ich bin gespannt, wie sie sich im Hauptlauf am Samstag schlägt. Frances F Boko – eine echte „Riesin“ – gewann den ersten Trial und war im Stutenlauf zum Jugend-Preis ebenso Dritte wie im zweiten Winterfavorit-Trial zu April Love. Fygi Bros gewann den Stutenlauf zum Jugend-Preis und danach in den Niederlanden ein weiteres Rennen. Flyer Boshoeve gewann mit dem letzten Schritt den Hauptlauf zum Jugend-Preis, als Barolo SL eigentlich schon vorbei war – starke kämpferische Leistung der schwedisch gezogenen Stute, die danach in der „Heimat“ im Breeders Course-Finale hoffnungslos unterging. Letzteres zeigt, wie weit unser Zweijährigen-Niveau von dem z.B. in Schweden entfernt ist.

Und wer jetzt aufgepasst hat, hat es gemerkt: Die genannten sind allesamt Stuten! Also aufgepasst, liebes starkes Geschlecht: Da besteht Nachholbedarf! Der Kenner weiß aber natürlich, dass Stuten generell etwas früher reif sind und sich das bis zum Derby gern mal „verwächst“…

Die Zahlen zum Nachvollziehen:

2jzirkel2014

Als nächstes (nach pünktlich zu dem am 19.10.2014 anstehenden St. Leger) steht dann eine Analyse des Dreijährigen-Zirkels auf dem Programm. Jürgen Gaßner hat sich in einem Artikel auf traber-news.com darüber hinaus mit dem Vierjährigen-Zirkel beschäftigt: Zum Weiterlesen – diesem werde ich mich nicht mehr widmen können, hat der HVT doch, wie dort zu lesen, die Daten zu den Nennungen des Vierjährigen-Zirkels nicht mehr auf seiner Homepage aufrufbar.

NACHTRAG: Jürgen Gaßner war so freundlich, mich auf einen Fehler in meiner Kalkulation hinzuweisen – tatsächlich gab es fünf Nachnennungen (zweimal Indira Bo und Teresanna, einmal Freedom Transs R), die mit 12,5% der jeweiligen Hauptlauf-Dotation insgesamt über 7.500 Euro in die Zirkel-Kasse spülten. Und in meiner Rechnung ist nicht berücksichtigt, dass die Rennvereine neben der Züchterprämie auch 25% der Rennpreise beisteuern mussten. Entsprechend hat der Zirkel durch das RV-Engagement sogar einen kleinen Überschuss erwirtschaftet. Die korrekte Rechnung finden Sie hier.