Das Niveau geht, die PMU kommt

„Unser französischer Freund Niveau hat soeben das Gelände verlassen“, postete eine Bekannte von mir vor einigen Wochen bei Facebook von einem Festival (war wohl Rock am Ring, oder was davon übrig blieb…). Ich schmunzelte. Und nun kommt mir diese Geschichte wieder in den Sinn, wenn ich an die aktuellen Auswüchse im Trolloforum denke (Lieber Andy, verzeih‘ mir – man kann sich seine User nicht aussuchen).

Okay, das impliziert natürlich, dass jemals ein gewisses Niveau vorhanden war – darüber kann man diskutieren. Jetzt ist es in jedem Fall weg, gänzlich. Diskussionskultur futsch, Respekt Fehlanzeige. So destruktiv wie in der letzten Zeit habe ich das Forum noch nie erlebt. Vor elf Jahren war ich dort erstmals aktiv und hab in meinem jugendlichen Leichtsinn sicher auch so manchen Quatsch geschrieben und Diskussionen geführt, die so nicht nötig waren. Google fördert da auch heute noch Dinge zutage, die ich im Rückblick anders gehandhabt hätte. Wobei ich mir heute nicht verkneifen kann zu erwähnen, dass ich es damals mangels Lebenserfahrung nicht besser wusste – im Gegensatz zu meinen „Kontrahenten“, die schon damals im Rentenalter waren und es hätten besser wissen können.

Seit rund acht Jahren bin ich konsequent nur noch Leser, ohne Account, habe dort keine Zeile Text verfasst. Bin also ohne Zweifel mitschuldig daran, den Trollen das Forum überlassen zu haben, denen nicht der Trabrennsport am Herzen liegt, sondern deren einziges Ziel es sein muss, auch noch die letzten Motivierten zu entnerven und zu vertreiben. Anders lässt sich der Schwachsinn, der da verbreitet wird, nicht mehr erklären.

Wenn der Klügere immer nachgibt, regieren die Dummen die Welt

Und ausgerechnet jetzt manifestiert sich der Hoffnungsschimmer „PMU“. Die französische Vermarktungsorganisation übernimmt die Mehrheit an German Tote, der Vermarktungsgesellschaft des gesamten deutschen Pferderennsports (außer den Hamburger Trabern). Man kann nur hoffen, dass die Franzosen bei ihren Marktanalysen das trottoforum gründlich ausgelassen haben oder vor lauter Begeisterung über die Expertenbeiträge zum französischen Rennsport den Käse drumrum einfach nicht gelesen haben. Sonst hätten sie wohl auch jede Hoffnung auf Entwicklung des deutschen Marktes begraben.

Was bringt nun der Einstieg der PMU dem deutschen Trabrennsport? Auf mein-trabrennsport.de wurde dies schon vor Monaten beleuchtet. Resonanz im Forum? Schweigen, waren ja positive Nachrichten.

Link

Insbesondere die Ausführungen von Heinz Tell zur strategischen Partnerschaft zwischen der französischen Wettorganisation PMU und German Tote und den Auswirkungen auf den deutschen Trabrennsport stießen auf großes Interesse bei den Zuhörern. Die in Frankreich bestehende Parität zwischen Galopp und Trab werde von den Franzosen auch in Deutschland erwartet, dies stärke die Position des deutschen Trabrennsportes. Die PMU strebt über German Tote eine Konsolidierung des deutschen Rennsports sowie eine Weiterentwicklung des Kerngeschäfts an. Wilhelm Bruns brachte es auf den Punkt und sprach aus, was sicher viele Zuhörer dachten: „Das ist ein deutliches, positives Signal für den deutschen Pferderennsport!“ Im Jahr 2014 wurden allein in den rund 110 deutschen PMU-Trabrennen mehr als 29 Millionen Euro Wettumsatz in Frankreich generiert – 10 Millionen Euro mehr als der Gesamtumsatz auf deutschen Trabrennbahnen 2014. Für das Jahr 2015 sind deutlich mehr PMU-Rennen geplant.

Der Umsatz aus Deutschland auf Rennen in Frankreich ist neunstellig. In Euro. Pro Jahr. Dementsprechend ist der Markt natürlich attraktiv, für Wetten nach Frankreich ebenso wie für Wetten auf deutsche Trabrennen, solange die Pools groß und die Quoten stabil sind. Das Wettpotential früherer Jahre ist in Deutschland weiterhin vorhanden, aber es findet eben schon heute nicht mehr in Richtung deutscher Totalisatoren statt. Die PMU will einen entsprechenden Vertrieb aufbauen und dies durch einen eigenen TV-Kanal unterstützen. Von der damit einhergehenden Professionalisierung in der Vermarktung wird auch der deutsche Sport profitieren.

Verkauft sich der Rennsport also an die Franzosen? Kann man so sehen. Muss man aber nicht. Vor allem nicht auf die Stammtischparolen der üblichen Verdächtigen hören. Sondern mal selber denken. Schaffst Du schon, Traberdeutschland.